
Das SAPHIR-Programm von Air France bleibt der einzige Zugangspunkt für alle Anfragen zur Unterstützung bei motorischen, sensorischen oder kognitiven Behinderungen. Wir stellen fest, dass die Mehrheit der von Passagieren gemeldeten Störungen auf einen Übertragungsfehler im Vorfeld zurückzuführen ist, nicht auf einen Mangel an Vorrichtungen. Das Verständnis der Preis- und Logistikmechanismen hilft, Blockaden am Abflugtag zu vermeiden.
Entschädigungsobergrenzen für Rollstühle und Mobilitätshilfen im Frachtraum
Das Montrealer Übereinkommen klassifiziert Rollstühle und technische Hilfsmittel als aufgegebenes Gepäck. Seit dem 28. Dezember 2024 wurde die Haftungsobergrenze auf 1.519 DTS pro Passagier angehoben, im Vergleich zu 1.288 DTS zuvor. Diese Erhöhung erhöht die potenzielle Deckung im Falle von Zerstörung, Verlust, Beschädigung oder Verspätung eines im Frachtraum transportierten Geräts.
In der Praxis bleibt diese Obergrenze unzureichend für einen hochwertigen elektrischen Rollstuhl, dessen Wert oft diesen Betrag übersteigt. Ein Entwurf zur Überarbeitung der Rechte von Fluggästen in der EU sieht vor, dass die Fluggesellschaft die gesamten Kosten für Reparatur oder Ersatz ohne Begrenzung auf die Montreal-Obergrenze übernehmen muss. Dieser Text ist noch nicht in Kraft, wird jedoch die Verantwortung der Beförderer erheblich verändern.
Wir empfehlen, den Rollstuhl aus allen Winkeln vor dem Einchecken zu fotografieren und die Kaufrechnung oder das Ersatzangebot aufzubewahren. Bei festgestellten Schäden bei der Ankunft muss die Meldung sofort am Schalter erfolgen und innerhalb von sieben Tagen schriftlich bestätigt werden. Bezüglich des Tarifs und der Unterstützung von Air France für Menschen mit Behinderungen wird die kostenlose Beförderung des Rollstuhls im Frachtraum zusätzlich zur üblichen Freigepäckgrenze bestätigt.

Verpflichtung zur kostenlosen Platzierung des Begleiters bei Air France
Der europäische Entwurf zur Überarbeitung der Passagierrechte sieht ebenfalls vor, dass die Fluggesellschaften eine kostenlose Platzierung nebeneinander für den Passagier und seinen Begleiter garantieren müssen. Air France antizipiert teilweise diese Verpflichtung über das SAPHIR-Programm, das es ermöglicht, die Anwesenheit eines Begleiters bereits bei der Buchung zu melden.
Was die Tarife betrifft, so bezahlt der Begleiter sein Ticket zum Standardtarif. Air France gewährt keine spezifischen Rabatte auf den Ticketpreis des Begleiters, im Gegensatz zu dem, was einige Passagiere annehmen. Die Kostenfreiheit betrifft nur die Zuteilung des angrenzenden Sitzes, nicht den Transport selbst.
Wann das medizinische Formular MEDIF obligatorisch wird
Das MEDIF-Formular (Medical Information Form) ist in bestimmten Situationen erforderlich:
- Transport von medizinischem Sauerstoff oder Verwendung eines tragbaren Konzentrators (POC) in der Kabine, mit Validierung des Modells durch den medizinischen Dienst von Air France
- Passagier auf einer Trage oder der eine liegende Position benötigt, was die Reservierung mehrerer Sitze erfordert
- Neuere oder fortschreitende Erkrankung, die sich in großer Höhe verschlechtern könnte, insbesondere schwere Ateminsuffizienz oder chirurgischer Eingriff, der weniger als zehn Tage zurückliegt
- Bedarf an intravenöser Injektion oder medizinischen Maßnahmen während des Fluges
Das MEDIF muss mindestens 48 Stunden vor dem Abflug eingereicht werden. Wir beobachten, dass die Ablehnungen beim Boarding aufgrund von Behinderungen fast immer auf ein unvollständiges oder verspätet übermitteltes MEDIF zurückzuführen sind.
Inklusionsmobilitätskarte und Flughafenabläufe: was sich konkret ändert
Die Inklusionsmobilitätskarte (CMI) mit den Hinweisen “Behinderung” oder “Priorität” löst bei Air France keine Tarifermäßigung aus. Ihr Nutzen liegt ausschließlich im Flughafenablauf: priorisierter Zugang zu den Check-in-Schlangen, vorzeitiges Boarding und schnelle Identifizierung durch die Bodenhilfsdienste.
Die Anfrage nach Unterstützung muss bei der Buchung registriert werden, nicht am Schalter am Abflugtag. Die CMI allein reicht nicht aus, um das SAPHIR-System zu aktivieren. Die Bodenmitarbeiter können keine nicht geplante Unterstützung improvisieren, insbesondere nicht für einen elektrischen Rollstuhl, der ein spezifisches Ladeprotokoll benötigt.

Unterstützungscodes und deren Auswirkungen auf den erhaltenen Service
Jeder Behinderungstyp entspricht einem IATA-Code, der im Buchungsdossier (PNR) vermerkt ist. Diese Codes bestimmen das Serviceniveau:
- WCHC: vollständig immobilisierter Passagier, benötigt vollständige Hilfe bis zum Kabinensitz
- WCHS: Passagier, der die Treppe hinaufsteigen kann, aber keine langen Strecken zurücklegen kann
- WCHR: selbstständiger Passagier an Bord, benötigt jedoch einen Rollstuhl für die Strecken im Flughafen
- BLND und DEAF: Passagiere mit Seh- oder Hörbehinderung, Unterstützung bei Orientierung und Kommunikation
Ein falsch angegebener Code führt zu einer Diskrepanz zwischen dem tatsächlichen Bedarf und dem bereitgestellten Service. Der Code WCHC erfordert einen Transfer mit dem Ambulift bei Flugzeugen ohne Gangway, was eine Koordination mit den Bodenservices des Flughafens erfordert. Dieser Punkt wird regelmäßig bei regionalen Stopps unterschätzt.
Reservierung eines geeigneten Sitzplatzes und technische Einschränkungen in der Kabine
Sitze mit hochklappbaren Armlehnen sind nicht in allen Reihen verfügbar. Auf den Langstreckenflugzeugen von Air France werden die Reihen in der Nähe der zugänglichen Toiletten vorrangig an WCHC-Passagiere vergeben. Diese Zuteilung erfolgt über SAPHIR, nicht über den Selbstbedienungs-Sitzplan.
Passagiere mit Behinderungen dürfen nicht in den Notausgangsreihen platziert werden. Diese regulatorische Einschränkung gilt auch für Begleiter, wenn sie während des Fluges physische Unterstützung leisten müssen.
Bei Flügen, die im Codeshare mit Partnergesellschaften (KLM, Delta, Korean Air) durchgeführt werden, kann das Unterstützungsniveau variieren. Das SAPHIR-Programm übermittelt die Codes an den Partner, aber jede Fluggesellschaft wendet ihre eigenen betrieblichen Verfahren am Boden an. Wir empfehlen, die Unterstützung direkt bei der ausführenden Fluggesellschaft zu bestätigen, wenn der Flug nicht von Air France durchgeführt wird.
Der Transport von Lithium-Ionen-Batterien für elektrische Rollstühle unterliegt den IATA-Vorschriften für gefährliche Güter. Batterien, die mehr als 300 Wh überschreiten, benötigen eine vorherige Genehmigung des Beförderers. Die Batterie muss abgeklemmt, ihre Anschlüsse geschützt und der Rollstuhl vor dem Einchecken in den Transportmodus versetzt werden.
Die Unterstützungsstruktur bleibt leistungsfähig, wenn jedes Glied im Vorfeld aktiviert wird. Der kritische Punkt ist niemals der Ticketpreis, sondern die Qualität der Informationen, die bei der Buchung übermittelt werden.