
Wenn man die Gehaltsabrechnung eines CEO im Luftfahrtsektor betrachtet, ist der feste Betrag nur der sichtbare Teil. Für Guillaume Faury, der seit 2019 an der Spitze von Airbus steht, setzt sich die tatsächliche Vergütung aus mehreren Ebenen zusammen: einem Grundgehalt, einem variablen Anteil, der an die Jahresergebnisse gekoppelt ist, Leistungsaktien und zusätzlichen Vorteilen. Um zu verstehen, was der CEO von Airbus wirklich verdient, muss man diesen Mechanismus Stück für Stück auseinandernehmen.
Vergütungsstruktur des CEO von Airbus: fest, variabel und Aktien
Das feste Gehalt von Guillaume Faury macht nur einen Bruchteil seiner Gesamtvergütung aus. Bei Airbus, wie in den meisten großen börsennotierten Unternehmen, ist der variable Anteil der Haupthebel.
Laut der Informationsmitteilung, die Airbus für die Hauptversammlung 2024 veröffentlicht hat, basiert die jährliche variable Vergütung des Generaldirektors auf gewichteteten Kriterien: EBIT zu 40 %, Nettocashflow zu 40 % und Nachhaltigkeitsziele zu 20 %. Diese Aufteilung ist nicht dekorativ. Sie bedeutet konkret, dass, wenn die operativen Margen sinken oder die Cash-Generierung enttäuscht, der Bonus erheblich fallen kann.
In den Unterlagen zur Hauptversammlung finden sich die Daten zu Gehalt und Vermögen von Guillaume Faury, die jedes Jahr vom Unternehmen veröffentlicht werden. Die Transparenz, die börsennotierte Unternehmen in den Niederlanden (Sitz von Airbus SE) auferlegt ist, zwingt dazu, diese Elemente im Detail zu veröffentlichen.
Hinzu kommen die Leistungsaktien, die unter der Bedingung von Ergebnissen über mehrere Jahre hinweg vergeben werden. Ihr Wert hängt vom Kurs der Airbus-Aktie zum Zeitpunkt des endgültigen Erwerbs ab, was einen Teil der Vergütung direkt an die Börsenleistungen des Unternehmens bindet.

Leistungsindikatoren und Jahresziele bei Airbus
Man hört oft von “Boni” für Führungskräfte, aber der Begriff ist irreführend. Bei Airbus ist die variable Vergütung des CEOs kein diskretionärer Zuschlag. Sie wird nach einem präzisen Raster berechnet, das in der Hauptversammlung von den Aktionären genehmigt wird.
Die drei festgelegten Kriterien verdienen es, näher betrachtet zu werden:
- Das angepasste EBIT misst die operative Rentabilität. Ein Lieferverzug beim A320, Mehrkosten bei einem Raumfahrtprogramm: All dies wirkt sich direkt auf dieses Kriterium und damit auf den variablen Anteil aus.
- Der Nettocashflow (free cash flow) spiegelt die Fähigkeit des Unternehmens wider, nach Investitionen Cash zu generieren. In der Luftfahrt, wo die Zyklen lang sind und die Kundenanzahlungen massiv sind, ist der Cashflow ein aussagekräftigerer Indikator als der Umsatz.
- Die Nachhaltigkeitsziele, gewichtet mit 20 %, beinhalten umweltbezogene Verpflichtungen, die für den Sektor spezifisch sind (Dekarbonisierung, nachhaltige Kraftstoffe). Ihr Anteil bleibt gering, aber ihre Präsenz signalisiert eine jüngste Entwicklung in der Vergütungspolitik.
Der Vorstand legt jedes Jahr ein Zielniveau und eine Obergrenze fest. Wenn die Ergebnisse die Ziele übertreffen, kann der variable Anteil bis zu einem vordefinierten Maximum steigen, ohne dieses zu überschreiten. Wenn die Ergebnisse unter dem Mindestwert liegen, kann der variable Anteil auf null fallen.
Vergütung des Airbus-Führungskräfte angesichts interner Lohnkonflikte
Man kann nicht über das Gehalt von Guillaume Faury sprechen, ohne den sozialen Kontext bei Airbus zu erwähnen. Seit 2024 gab es an den Standorten in Toulouse mehrere soziale Bewegungen (Streiks, Versammlungen) rund um Lohnforderungen.
Die Gewerkschaften weisen auf eine Diskrepanz zwischen den finanziellen Ergebnissen des Unternehmens und den an die Mitarbeiter gezahlten Beteiligungsprämien hin, die als rückläufig angesehen werden. Briefe, die von Guillaume Faury unterzeichnet wurden, wurden regelmäßig in den gewerkschaftlichen Mitteilungen als Symbole dieser Spannung zitiert.
Abstand zwischen Management und Mitarbeitern in der Luftfahrt
Diese Art von Reibung ist nicht nur auf Airbus beschränkt. Im gesamten CAC 40 wird das Verhältnis zwischen der Vergütung der Führungskräfte und dem Medianlohn der Mitarbeiter zunehmend kritisch betrachtet. Die Jahresberichte von Airbus veröffentlichen dieses Verhältnis gemäß den regulatorischen Anforderungen.
Was den Fall Airbus besonders macht, ist die Kombination von zwei Faktoren: volle Auftragsbücher (der A320 bleibt der weltweite Bestseller in der kommerziellen Luftfahrt) und die Wahrnehmung einer unzureichenden Umverteilung an die Mitarbeiter trotz dieser Leistungen. Die Forderungen beziehen sich insbesondere auf allgemeine Lohnerhöhungen, die an die Inflation gekoppelt sind, ein Thema, das in jedem Verhandlungszyklus wiederkehrt.

Werdegang und Funktionen von Guillaume Faury über Airbus hinaus
Guillaume Faury ist nicht nur CEO von Airbus. Er hat mehrere Mandate, die seinen Einfluss im Sektor erweitern.
Seit 2021 ist er Präsident des GIFAS (Verband der französischen Luft- und Raumfahrtindustrie). Seit Juni 2023 hat er auch den Vorsitz der ASD (Europäische Vereinigung der Luft- und Raumfahrt- und Verteidigungsindustrie) inne. Diese Funktionen werden nicht auf die gleiche Weise vergütet wie ein Exekutivmandat, spiegeln jedoch eine zentrale Position in der europäischen industriellen Governance wider.
Sein Werdegang vor Airbus führt über Eurocopter (jetzt Airbus Helicopters), wo er operative Positionen innehatte, bevor er die Leitung der Hubschraubersparte übernahm. Dieser industrielle Werdegang, nicht finanzieller Natur, unterscheidet sein Profil von dem vieler CAC 40-Führungskräfte, die aus der Banken- oder Beratungsbranche stammen.
Fortune hat Guillaume Faury 2025 zu den einflussreichsten Persönlichkeiten der Geschäftswelt gezählt, ein Signal, das über die bloße Gehaltsfrage hinausgeht und das strategische Gewicht von Airbus in der Verteidigung und der zivilen Luftfahrt in Europa widerspiegelt.
Die Vergütung von Guillaume Faury bleibt ein Thema, das jeden Frühling zur Sprache kommt, wenn es um die Abstimmung in der Hauptversammlung geht. Die Aktionäre haben ein verbindliches Stimmrecht (say on pay) über die Vergütungspolitik. In der Praxis bleiben die Zustimmungsraten hoch, aber die internen Debatten im Unternehmen lassen nicht nach.